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Therapie

Therapie

Therapie

 

Die Behandlung von Vorhofflimmern kann aus verschiedenen Komponenten bestehen. Dazu zählen Medikamenten gegen die Arrhythmie durch sogenannte Antiarrhythmika auch die Interventionstherapie oder Medikamente zur Behandlung der Risiken im Zusammenhang mit Vorhofflimmern (z. B. Schlaganfall mit gerinnungshemmenden Medikamenten oder ‚oralen Antikoagulanzien‘).

 

Welche gerinnungshemmenden Arzneimittel gibt es?

Es gibt verschiedene Arten von gerinnungshemmenden Medikamenten (Antikoagulanzien), oft auch als Blutverdünner bezeichnet. Bei Patienten, deren Herzerkrankung und Vorhofflimmern nicht mit den Herzklappen in Zusammenhang stehen, werden folgende gerinnungshemmende Mittel verschrieben: Vitamin-K-Antagonisten sowie neuartige orale Antikoagulanzien (NOAK). Letztere werden auch als „direkte orale Antikoagulanzien“ (DOAK) oder Nicht-Vitamin-K-Antikoagulanzien (NOAK) bezeichnet.

  • Wenn Sie sich einer Operation unterziehen müssen (einschließlich Zahnoperation), informieren Sie den Chirurgen, dass Sie gerinnungshemmende Medikamente einnehmen.
  • Falls Sie bereits gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, klären Sie deren Verträglichkeit unbedingt mit einem Arzt oder Apotheker ab, wenn Ihnen ein neues Medikament verschrieben wird oder Sie ein solches rezeptfrei selbst kaufen. Dies gilt insbesondere für andere gerinnungshemmende Mittel wie beispielsweise Aspirin.
  • Die endgültige Entscheidung über die Art der für einen Patienten geeigneten Antikoagulanzien liegt beim Arzt. Manche Patienten sprechen nicht gut auf NOAK an, während sich bei anderen mit NOAK sogar eine stärkere Reduzierung des Schlaganfallrisikos mit vergleichbarem oder noch geringerem Risiko von intrakranieller Blutung (Gehirnblutung) erzielen lässt.

 

Vitamin-K-Antagonisten

Warfarin (Cumarin), Acenocumarol, Phenprocoumon, Fluindion

Vitamin-K-Antagonisten sind die ältesten und am häufigsten verwendeten Antikoagulanzien. Sie verringern die Möglichkeit der Bildung von Blutgerinnseln. Solche Blutgerinnsel entstehen, wenn sich Blutzellen und andere Bestandteile aneinander heften und eine feste Masse in einem Blutgefäß bilden. Dafür müssen Blutgerinnungsfaktoren vorhanden sein. Vitamin-K-Antagonisten verringern die Wirksamkeit einiger dieser Gerinnungsfaktoren und erschweren dadurch die Bildung von Gerinnseln. Dies wird auch als „blutverdünnende Wirkung“ bezeichnet. Aufgrund der Beeinflussung der Gerinnungsfaktoren sind Vitamin-K-Antagonisten sehr wirksam bei der Verringerung des Schlaganfallrisikos.

 

Was muss bei der Verwendung von Vitamin-K-Antagonist beachtet werden?

Die gerinnungshemmende Wirkung muss durch regelmäßige Bluttests beurteilt werden. Sie wird mit der so genannten „INR“ (International Normalized Ratio) gemessen. Abhängig von dieser Messung wird die Dosierung der Medikamente individuell angepasst. Regelmäßige Bluttests sind unbedingt erforderlich, damit Sie die korrekte Dosis einnehmen und nicht gefährdet sind. Die verwendete Dosis kann sich nicht nur von Person zu Person unterscheiden, sondern auch von Zeitraum zu Zeitraum bei einer Person.

INR testing

 

Was ist der INR-Wert und wie wird er gmessen?

Bei Personen, die keine Antikoagulanzien einnehmen, gerinnt das Blut gewöhnlich mit einem INR-Wert von 1.

Zur Reduzierung des Schlaganfallrisikos bei Patienten mit Vorhofflimmern sollte der INR zwischen 2 und 3 betragen.

Vitamin-K-Antagonisten dürfen nicht ohne ärztliche Rücksprache abgesetzt werden.

 

Welche Vorsichtsmaßnahmen gelten bei der Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten?

Trinken Sie nicht zu viel Alkohol.

Nahrungsmittel mit einem hohen Vitamin-K-Gehalt können die Wirksamkeit der Blutverdünnung herabsetzen. Bei Vitamin-K-reicher Kost muss die Dosierung des gerinnungshemmenden Medikaments gegebenenfalls erhöht werden. Die Tabelle gibt eine Übersicht über Nahrungsmittel mit niedrigem und hohem Vitamin-K-Gehalt (siehe untenstehende Tabelle). Besondere Sorgfalt ist bei pflanzlichen Arzneimitteln geboten. Sprechen Sie immer mit Ihrem Arzt oder Apotheker bevor Sie ein pflanzliches Arzneimittel einnehmen.

 

Tabelle 1.

Nahrungsmittel mit GERINGEM Vitamin-K-Gehalt Nahrungsmittel mit HOHEM Vitamin-K-Gehalt
Artischocke
Spargel
Banane
Bohnen
Rote Beete
Karotten
Blumenkohl
Sellerie
Koriander
Mais
Aubergine
Grüne Bohnen
Grüne Paprika
Pilze
Zwiebeln
Pastinake
Erbsen
Geschälte Gurke
Kartoffel
Kürbis
Rettich
Rotkohl
Sommerkürbis
Süßkartoffel
Tomate
Speiserüben
Avocado
Amarantblätter
Brokkoli
Rosenkohl
Kohl
Rapsöl
Chayote
Schnittlauch
Krautsalat
Gemüsekohl
Korianderblatt
Endivie
Fisch in Öl eingelegt
Kichererbsen
Grünkohl
Grüner Tee
Markkohl
Kiwi
Linsen
Grüner Salat
Leber
Mayonaise
Minzblatt
Brauner Senf
Natto (fermentierte Sojabohnen)
Schwarzbeere
Okra
Olivenöl
Petersilie
Portulak
Seetang
Sojaöl
Sojabohne
Spinat
Mangold
Tee aus Tonkabohnen
Toumayo
Kohlrabi
Tziton
Gemüsesäfte (V8)
Kresse
Weizengraspulver


 

Neuartige (oder Nicht-Vitamin-K) Orale Anti-Koagulanzien (NOAK)

Dabigatran (Pradaxa oder Pradax), Rivaroxaban (Xarelto), Apixaban (Eliquis), Edoxaban (Lixiana oder Savaysa)

NOAKs werden seit ihrer erstmaligen Einführung 2008-2009 erfolgreich bei Tausenden von Patienten mit Vorhofflimmern zur Verhinderung von Schlaganfällen verwendet und getestet. Die Medikamente sind direkte Gegenspieler eines der Gerinnungsfaktoren mit ähnlicher und vielleicht sogar besserer Schlaganfall-Vorbeugung im Vergleich zu einem Vitamin-K-Antagonisten. Sie lassen sich ohne INR-Kontrolle einsetzen und unterliegen nicht den Einflüssen von Lebensmitteln, anderen Medikamenten und Alkohol. Dabigatran und Apixaban werden zweimal täglich eingenommen. Bei Rivaroxaban und Edoxaban genügt die Einnahme einmal am Tag. Ein NOAK muss unbedingt jeden Tag gemäß der Verschreibung Ihres Arztes eingenommen werden.

Bei Patienten, die mit NOAK behandelt werden, ist die ärztliche Überwachung der Nierenfunktion erforderlich. Bei zu starker Beeinträchtigung der Nierenfunktion muss der Arzt gegebenenfalls das gerinnungshemmende Medikament niedriger dosieren oder ganz absetzen.

 

Nebenwirkungen von oralen Antikoagulanzien

Die häufigste Nebenwirkung bei allen gerinnungshemmenden Medikamenten sind Blutungen. In den meisten Fällen sind diese nicht lebensbedrohlich. In der Regel handelt es sich um schwache Blutungen wie blaue Flecken oder schwaches Nasenbluten. Starke Blutungen, die eine Bluttransfusion und ein zeitweiliges Absetzen der Gerinnungshemmer erfordern, treten bei ungefähr
1–2% der Personen auf, die gerinnungshemmende Medikamente einnehmen. Eine lebensbedrohliche Blutung, die als Folge von Gerinnungshemmern auftreten kann, ist die Gehirnblutung oder „intrakranielle Blutung“.
Wenn Ihnen das Blutungsrisiko Ihrer gerinnungshemmenden Medikamente Sorge bereitet, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Ihr Arzt wird Ihr individuelles Schlaganfallrisiko mit dem Blutungsrisiko vergleichen, das bei einem gerinnungshemmenden Medikament besteht.

Bevor Ihr Arzt Ihnen gerinnungshemmende Medikamente verschreiben kann, berechnet er Ihr individuelles Blutungsrisiko mit einem punktbasierten Bewertungssystem. Ein häufig verwendetes Bewertungssystem für das Blutungsrisiko ist der HAS-BLED-Score.

 

Ihr persönliches Blutungsrisiko mit gerinnungshemmenden Medikamenten

Klicken Sie hier, um den Online-Rechner aufzurufen

 

Gegenspieler von oraler Antikoagulation

Wenn Patienten, die mit oralen Antikoagulanzien behandelt werden, unter starken Blutungen leiden, ist unter Umständen ein Gegenmittel erforderlich.

Das Gegenmittel für einen Vitamin-K-Antagonisten ist Vitamin K. Die Wirkung von Vitamin K muss einige Stunden nach Verabreichung durch INR-Kontrolle überprüft werden. Ist der Wert dann immer noch zu hoch, muss eine weitere Dosis Vitamin K verabreicht werden.

Für eines der NOAK-Medikamente, nämlich Dabigatran (Pradaxa), ist ebenfalls ein Gegenmittel verfügbar. Es heißt Idarucizumab (Praxbind) und wurde 2015 klinisch verfügbar. Eine Dosierung dieses Gegenmittels genügt, um die Wirkung von Dabigatran vollständig aufzuheben und die normale Blutgerinnung wiederherzustellen. Für die anderen NOAKs gibt es derzeit noch keine klinisch verfügbaren Gegenmittel. Diese dürften jedoch in naher Zukunft verfügbar werden.

 

Verschließen des linken Vorhofohrs

Vorhofflimmern führt zu ineffektiver Vorhofkontraktion, schlechtem Blutfluss durch den Vorhof und Blutstau. Diese Blutstagnation gilt als begünstigender Faktor für die Entwicklung von Gerinnseln, gewöhnlich innerhalb einer fingerförmigen Ausstülpung im linken Vorhof, dem sogenannten linken Vorhofohr. Diese Gerinnsel können zu Blockaden wichtiger Arterien führen und z. B. Schlaganfälle verursachen. Da sich die meisten Gerinnsel im linken Vorhofohr bilden, wird der Hohlraum entfernt oder verödet, insbesondere zur Verminderung des Risikos embolischer Schlaganfälle.

Bei Patienten, die aufgrund von Blutungsrisiken keine oralen Antikoagulanzien einnehmen können, kann der Arzt das linke Vorhofohr über eine Einstichstelle in der Femoralvene (in der Leiste) verschließen oder veröden. Eine stöpselförmige Vorrichtung wird in eingefaltetem Zustand in das Vorhofohr eingebracht und entfaltet, um den Hohlraum des linken Vorhofohrs vollständig zu verschließen oder sogar zu veröden. Dieser Eingriff erfolgt unter Sedierung oder Allgemeinanästhesie. Kombinationsmedikamente zur Gerinnungsverhinderung sind in den ersten Wochen bis 3 Monaten erforderlich; danach kann auf ein Einzelmedikament reduziert werden. Laut jüngsten Studien bietet dieses Verfahren einen ähnlichen Schutz vor Schlaganfall wie die klassische orale Antikoagulation. Allerdings kann es direkt durch den Implantateingriff zu Komplikationen kommen.

 

Rhythmuskontrolle vs. Frequenzkontrolle

Rhythmuskontrolle bedeutet, dass Sie und Ihr Arzt sich zur Erreichung und Erhaltung des normalen Sinusrhythmus entschieden haben. Wenn diese Strategie fehlschlägt oder nicht durchführbar ist, das Vorhandensein von Vorhofflimmern akzeptiert wird oder unvermeidlich ist, kann es wichtig sein, die Herzfrequenz zu senken. Dies wird als Frequenzkontrolle bezeichnet.

Medikamente, die zur Milderung der Episoden von Vorhofflimmern (Rhythmuskontrolle) verwendet werden:

Die Medikamente zur Milderung oder Unterdrückung der Episoden von Vorhofflimmern werden als „Antiarrhythmika“ bezeichnet.

Die am häufigsten in Antiarrhythmika eingesetzten Arzneistoffe sind:

  • Flecainid
  • Amiodaron
  • Propafenon
  • Disopyramid
  • Dronedaron
  • Sotalol

 Antiarrhythmika ändern die elektrische Aktivität von Herzzellen. Die Erzeugung und Weiterleitung elektrischer Signale koordinieren die Pumpaktivität des Herzmuskels. Antiarrhythmika können helfen, dass Sie nicht in ein VORFLIMMERN zurückfallen. Episoden von Vorhofflimmern können aber auch mit diesen Medikamenten auftreten. Unter Umständen müssen Sie verschiedene Antiarrhythmika ausprobieren, um das Medikament zu finden, das Ihnen am besten hilft. Nicht alle Antiarrhythmika sind für alle Patienten gleich gut geeignet. Welches passende Medikament Ihr Arzt für Sie auswählt, hängt von anderen medizinischen Beschwerden ab, die Sie haben. Zum Beispiel eine ischämische Herzkrankheit (Verengung der Arterien des Herzens) oder Herzinsuffizienz (unzureichende Pumpfunktion des Herzens). Bestimmte Antiarrhythmika, wie Amiodaron, können schwerwiegende Nebenwirkungen haben. Ihr Arzt wird Sie regelmäßig überwachen, um sicherzustellen, dass Sie die Medikamente weiterhin bedenkenlos nehmen können. Zur Sicherheit muss Ihnen dazu unter Umständen am Arm etwas Blut abgenommen werden, um die Wirkung des Medikaments zu überwachen. Ihr Arzt wird Ihnen helfen, das beste Antiarrhythmikum zu finden, und wird die möglichen Nebenwirkungen ausführlich mit Ihnen besprechen.

 

Medikamente zur Senkung der Herzfrequenz (Frequenzkontrolle):

Es gibt für Personen mit Vorhofflimmern verschiedene Medikamente in Tablettenform, die zum Senken der Herzfrequenz bei beitragen können. Ihr Arzt wird ein Medikament auswählen, das am besten für Sie geeignet ist.

Die gängigsten Arzneistoffe zur Senkung der Herzfrequenz sind:

  • Digitalis-Präparate
  • Betablocker (z. B.: Bisoprolol, Metoprolol, Atenolol)
  • alciumkanalantagonisten (z. B.: Diltiazem, Verapamil)

Für viele Patienten mit Vorhofflimmern reicht als Dosis eine Tablette aus, um die Herzfrequenz ausreichend zu senken. Andere müssen vielleicht zwei oder auch mehrere Tabletten nehmen, um die Herzfrequenz zu regulieren.

Digitalis-Präparate wie Digoxin werden seit über hundert Jahren verwendet und können sogar eine sehr schnelle Herzfrequenz verlangsamen. Die Präparate sind sehr effektiv, insbesondere wenn Sie nicht in körperlicher Bewegung sind. Bei körperlicher Aktivität ist die frequenzsenkende Wirkung geringer. Deshalb werden vor allem bei jüngeren Patienten und/oder Patienten mit einem aktiven Lebensstil Betablocker -Tabletten verschrieben. Betablocker kommen nicht für jeden infrage, besonders wenn Sie Asthma haben. In diesem Fall können Calciumkanalblocker wie Diltiazem oder Verapamil besser geeignet sein. Ihr Arzt wird entsprechend Ihres individuellen Profils die Medikamente auswählen, die am besten zur Regulierung Ihrer Herzfrequenz geeignet sind.

 

Elektrische Kardioversion

Wenn Sie eine Episode von symptomatischem Vorhofflimmern haben, die nicht auf rhythmusstabilisierende Medikamente anspricht, wird Ihnen Ihr Arzt eventuell ein Verfahren empfehlen, das als elektrische Kardioversion bezeichnet wird. Mit diesem Verfahren soll Ihr Herzrhythmus wieder in den normalen Rhythmus (Sinusrhythmus) zurückversetzt werden. Der Eingriff wird im Voraus geplant und beinhaltet die Abgabe eines kontrollierten Elektroschocks an Ihr Herz. Der elektrische Impuls ist stark genug, um alle vom Herz erzeugten elektrischen Signale kurzfristig zu stoppen. Dies erlaubt dem natürlichen Schrittmacher des Herzens, dem „Sinusknoten“, wieder die Kontrolle über die Herzfrequenz zu erlangen.

Die elektrische Kardioversion wird stationär mit einem sogenannten Defibrillator ausgeführt. Der Defibrillator ist im Prinzip eine starke computergestützte Batterie. Die Abgabe des Elektroschocks erfolgt über zwei großflächige Elektroden (auch als Paddel bezeichnet), die auf den Brustkorb aufgeklebt sind. Die Sticker werden in der Regel auf der Vorder- und Rückseite des Brustkorbs platziert oder rechts und links auf dem Brustkorb.

Elektrische Kardioversion

 

Die Kardioversion ist unangenehm, und Sie erhalten zuvor eine Injektion (Anästhetikum), die Sie narkotisiert. Dadurch spüren Sie während der eigentlichen Kardioversion nichts. Wenn der erste Elektroschock Ihr Herz nicht in den normalen Rhythmus bringt (Sinusrhythmus), wird ein weiterer Elektroschock mit etwas stärkerem elektrischen Impuls abgegeben. Die Kardioversion ist nicht schmerzhaft. Allerdings können die Stellen unter den Elektroden nach dem Eingriff ein oder zwei Tage lang empfindlich sein.

Beachten Sie, dass Vorhofflimmern auch nach einer zunächst erfolgreichen Kardioversion (Herzrhythmus hat wieder normalen Sinusrhythmus angenommen) zurückkehren kann. Dies ist bei ungefähr der Hälfte der Patienten im ersten Jahr nach der Kardioversion der Fall. Ob Vorhofflimmern erneut bei Ihnen auftritt, hängt von vielen Faktoren ab. Wenn Sie über ein Jahr lang Vorhofflimmern hatten und zusätzliche Herzbeschwerden (einschließlich Bluthochdruck) vorliegen, ist ein erneutes Auftreten wahrscheinlicher.

Eine Kardioversion kann auch mit bestimmten Medikamenten ausgeführt werden, die den Herzrhythmus regulieren. Dies wird als pharmakologische Kardioversion bezeichnet, da die Wiederherstellung des normalen Herzrhythmus nicht mit Elektroschock erfolgt, sondern medikamentös. Diese Behandlung wird ebenfalls stationär durchgeführt. Die Medikamente werden Ihnen intravenös über eine Infusion am Arm verabreicht. Ihre Herzfrequenz wird während des Eingriffs durchgehend überwacht.

Bevor Sie sich einer (elektrischen oder pharmakologischen) Kardioversion unterziehen, müssen Sie mindestens 3 Wochen lang ein Antikoagulans einnehmen. Andernfalls muss vor der Kardioversion mit einer eigenen Untersuchung, der transösophagealen Echokardiographie, ausgeschlossen werden, dass Blutgerinnsel im Herzen vorliegen. Außerdem müssen Sie das gerinnungshemmende Medikament nach der Kardioversion mindestens vier Wochen lang weiter einnehmen, um das Schlaganfallrisiko zu senken. Je nach persönlichem Risikoprofil müssen Sie die gerinnungshemmenden Medikamente eventuell auf Anweisung Ihres Arztes lebenslang einnehmen.

 

Katheterablation von Vorhofflimmern

Ablationstherapie: Pulmonalvenenisolation (PVI)

Die Lungen- oder Pulmonalvenen sind Blutgefäße zwischen der Lunge und dem linken Vorhof, die sauerstoffhaltiges Blut zum Herzen zurückführen. Ausläufer des Vorhofmuskels erstrecken sich in einer kurzen Entfernung (bis ca. 5 cm) vom Körper des linken Vorhofs in die Lungenvenen. Bei Personen mit Vorhofflimmern weisen diese Muskelverlängerungen elektrische Aktivität auf, die schnell ist und nicht von der normalen Aktivität des Herzens gesteuert wird. Diese anomalen elektrischen Entladungen produzieren infolge komplexer Interaktionen elektrische Aktivität in schneller Folge (400-650 pro Minute) und unregelmäßigen Abständen. Dadurch werden leichte mechanische Kontraktionen in den Vorhöfen ausgelöst.

Die Ausbreitung anomaler elektrischer Aktivität, die in den Pulmonalvenen entsteht, lässt sich beenden, indem die Zellen an der Einmündung der PV zum linken Vorhof irreversibel deaktiviert/zerstört werden, sodass sie keine elektrischen Signale leiten können. Die Deaktivierung der Zellen an der Einmündung der PV lässt sich durch mehrere Verfahren erreichen: durch Temperaturbehandlung durch Erhitzen der Zellen (mehr als 55 Grad Celsius, aber unter 80 - 90 Grad) bzw. Abkühlen der Zellen (unter -50 Grad Celsius) oder durch Herzoperation.

Der Arzt führt durch kleine Einstiche in der Leiste mehrere Katheter in die Femoralvene ein und schiebt diese anhand einer Röntgenaufnahme bis zum rechten Vorhof. Zum Erreichen des linken Vorhofs verwendet der Arzt einen langen Nadelkatheter. Damit punktiert er die Trennwand zwischen rechtem und linkem Vorhof und führt dann den/die Katheter in den linken Vorhof ein.

 

Radiofrequenz-Katheterablation (RFA)

Die gängigsten Verfahren arbeiten mit hochfrequentem Wechselstrom (ca. 550 kHz), der über einen flexiblen Katheter mit Metallelektrode in der Spitze appliziert wird. Der Stromfluss heizt abhängig von Stromstärke und Gewebekontakt eine kleine Gewebemenge auf mehr als 55 Grad Celsius auf. Jeder dieser kleinen inaktivierten (koagulierten) Gewebebereiche ist eine sogenannte ‚Läsion‘. Eine Reihe zusammenhängender Läsionen voller Dicke in kreisförmiger Anordnung an den Verbindungsstellen der rechten und linken Lungenvenen bildet eine elektrische Sperre. Sie bewirkt die elektrische Isolation der Lungenvenen vom linken Vorhof ohne Beschädigung der Unversehrtheit des Gewebes. Dies ist die Pulmonalvenenisolation durch Radiofrequenz-Katheterablation (RFA).

Während des Eingriffs führt der Arzt zwei Katheter in den linken Vorhof. Davon dient einer nur zur Aufzeichnung der Signale von den anvisierten Pulmonalvenen, der andere übernimmt die Bereitstellung des RF-Stroms am gewünschten Ort und dessen Aufnahme. Dieses Verfahren wird durch eine Rekonstruktion der Anatomie und Form der Pulmonalvenen und des linken Vorhofs geführt.

Die daraus resultierende elektrische Isolation wird anhand des stabilen Ausbleibens elektrischer Signale in den Pulmonalvenen kontrolliert. Anschließend werden die Katheter herausgezogen.

Radiofrequenz-Katheterablation (RFA)

 

Kryoballon-Ablation

Bei der Pulmonalvenenisolation mittels Kryoballon (Verödung durch Kälte) wird ein spezieller Ballon (Kryoballon) unaufgeblasen in den linken Vorhof eingeführt, dann aufgeblasen und dicht an der Mündung der Pulmonalvenen platziert. In den Ballon wird ein unter Druck stehendes Kältemittel eingesprüht, das dabei Hitze absorbiert und sehr niedrige Temperaturen erzeugt. Dadurch wird das Gewebe im Kontakt mit dem Ballonumfang stark abgekühlt. Nach ausreichender Abkühlung wird der Ballon erwärmt und entleert. Anschließend wird die Ablation an der anderen Pulmonalvene wiederholt. Wenn der Ballon in Kontakt mit der Verbindung von Pulmonalvenen mit linkem Vorhof gebracht wird, sorgt die resultierende kreisförmige Kryoläsion für Pulmonalvenenisolation.

Die Pulmonalvenenisolation erfolgt unabhängig vom eingesetzten Verfahren in Vollnarkose mit künstlicher Beatmung. Alternativ ist auch eine starke Sedierung mit eigenständiger Atmung möglich. Nach dem Eingriff wird ein Kompressionsverband auf der Leiste angebracht. Sie werden dann zu Ihrem Bett zurückgebracht und können das Krankenhaus in der Regel am nächsten Tag verlassen. Nach der Entlassung können Sie nach wenigen Tagen Ihr normales Leben weiterführen. Sie müssen in der Regel weiterhin für mindestens acht Wochen nach dem Eingriff noch Antikoagulanzien (zur Verhinderung von Blutgerinnseln) einnehmen. Häufig werden noch weitere Medikamente zur Kontrolle von Herzrhythmus und Herzfrequenz verordnet.

Kryoballon-Ablation

 

Komplikationen bei der Pulmonalvenenisolation

Die häufigste Komplikation ist eine Blutung der Punktierungsstelle in der Leiste. Dies führt zu einer Ansammlung von teilweise koaguliertem Blut unter der Haut oder tiefer im Gewebe. Dadurch kommt es zur Bildung von Knötchen, Schwellungen oder Hämatomen, die häufig empfindlich oder schmerzhaft sind. Die Blutung lässt sich gewöhnlich durch manuelle Kompression und Bettruhe stillen, und die Ansammlung geht in den nächsten Wochen allmählich zurück. Falls sich an der Punktierungsstelle plötzlich ein Knoten bildet, anwächst oder schmerzhaft wird, sollte der Patient ärztlichen Rat aufsuchen.

Ein Gerinnsel kann sich vom linken Vorhof lösen und in eines der systemischen arteriellen Blutgefäße wandern, z. B. zum Gehirn, den Augen, Gliedmaßen, Nieren usw. Dadurch kann das betroffene Gewebe nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden und absterben. Dies kann zu einem Schlaganfall oder zu Schäden an Augen, Gliedmaßen oder Nieren führen. In der Regel wurde die Häufigkeit derartiger Vorfälle dieser Art durch richtige Verwendung gerinnungshemmender Mittel für
3-4 Wochen vor dem Eingriff sowie während und nach dem Eingriff auf weniger als
1% reduziert. Die meisten Ärzte führen auch spezielle Ultraschallbildgebung des linken Vorhofs von der Speiseröhre aus durch, um vor dem Eingriff sicherzustellen, dass kein Blutgerinnsel vorhanden ist. Ein größeres Gerinnsel lässt sich in bestimmten Fällen durch ein gerinnungslösendes Medikament zersetzen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die blockierte Arterie durch Einführen eines Ballons durch das Gerinnsel wieder zu weiten und dadurch die Blutversorgung wiederherzustellen.

Als Folge einer Schädigung der Herzwand kann in etwa 1% bis 2% der Fälle eine innere Blutungmeist im Herzbeutel – auftreten. Dadurch kann es zu einem Schockzustand kommen, bei dem das Herz nicht genügend Blut in den Körper transportieren kann. In den meisten Fällen ist es möglich, mit einer Nadel einen Schlauchkatheter in den Herzbeutel einzuführen und das Blut abzuleiten. Dies reicht gewöhnlich zur Wiederherstellung des normalen Blutkreislaufs aus. Andernfalls kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein.

Es kann zu einer Schädigung des umgebenden Gewebes außerhalb des Herzens – einschließlich Nerven und Speiseröhre – kommen. Der Nerv zum Zwerchfell (einem für die Atmung wichtigen Muskel) kann geschädigt werden, wobei dies bei einer Kryoballon-Ablation typischerweise häufiger geschieht. In der Folge kann es zu Kurzatmigkeit kommen, die jedoch gewöhnlich innerhalb von Wochen bis Monaten spontan abklingt. Nerven zum Magen können ebenfalls geschädigt werden. Dies führt in der Regel zu Blähungen und Völlegefühl, was jedoch ebenfalls häufig innerhalb von Wochen wieder abklingt.

Die Speiseröhre, die unmittelbar hinter der Rückwand des linken Vorhofs verläuft, kann durch vom Herzen aus Hitze- oder Kälteverletzungen geschädigt werden. In sehr seltenen Fällen (etwa 1 von 4000) kann eine Verbindungsöffnung zwischen Herz und Speiseröhre entstehen, was zu schweren Infektionen, zu Schlaganfällen oder sogar zum Tod führen kann. Die Reduzierung der thermischen Verletzung in der Nähe der Speiseröhre ist die wichtigste Methode zur Vermeidung dieser Komplikation.

Eine übermäßige Vernarbung an der Mündung der Pulmonalvene(n) kann zu einer Verengung führen, die ausreicht, um den Blutfluss zu behindern. In der Regel führt dies Wochen nach dem Eingriff zu Husten, Kurzatmigkeit und manchmal blutigem Auswurf. Diese Verengung kann mit Ballons oder Stents behandelt werden und lässt sich vermeiden, indem die Isolationsläsionen entfernt von der Mündung der Pulmonalvenen und mehr in Richtung linker Vorhof gesetzt werden.

 

Herzschrittmacher-Implantation in Kombination mit Atrioventrikularknoten- und His-Bündel-Ablation

Anstatt zu versuchen, durch Unterdrücken des Vorhofflimmerns wieder einen normalen Herzrhythmus herzustellen, kann der Arzt die Pulsfrequenz auch regulieren und verlangsamen, indem er die Überleitung schneller elektrischer Impulse von den Vorhöfen zu den Ventrikeln blockiert. Natürlich wird typischerweise einige Tage zuvor ein Herzschrittmacher implantiert, um einer zu niedrigen Pulsfrequenz entgegen wirken zu können. Danach wird mit einem Radiofrequenz-Katheter das die Vorhöfe mit den Ventrikeln verbindende elektrische Bündel verödet wodurch verhindert wird, dass die schnelle Fibrillation die Pulsfrequenz beeinflusst. Der Puls wird künstlich trotz anhaltendem Vorhofflimmern durch den Schrittmacher reguliert. Allerdings ist der Puls regelmäßig, Palpitationen werden unterdrückt und die Lebensqualität wird verbessert. Die Herzfunktion kann sich ebenfalls verbessern.

Der Eingriff ist allerdings irreversibel. Der Schrittmacher kann nicht entfernt werden und ist unverzichtbar. Im Gegensatz zu PVI ist der Eingriff einfach, schnell und ohne komplexe Ausrüstung durchführbar.